Die neue Wachstumsdebatte

Rohstoffwende – Verkehrswende – Energiewende
Ist Wirtschaftswachstum in einer postfossilen Welt (weiterhin) möglich?

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) gab seinem Jahresgutachten 2012 den Titel  “Verantwortung in einer begrenzten Welt“. Darin wird u.a. ausgeführt: „Die umweltpolitische Debatte wird in Zukunft mehr und mehr durch den Leitbegriff der ökologischen Grenzen bestimmt: In einer begrenzten Welt kann es keine unbegrenzte Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen geben. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine Entkopplung von Wohlfahrt und Ressourcennutzung durch grundlegende Innovationen und die  Aufwertung überlebenswichtiger Ökosystemleistungen“. Der Titel des ersten Kapitels lautet „Die neue Wachstumsdebatte“. Darin findet sich der Satz.“ Während die Diskussion über die Grenzen des Wachstums in den 1970er-Jahren einen starken Fokus auf die Verfügbarkeit nicht-erneuerbarer Ressourcen legte, steht heute die Übernutzung und Zerstörung wichtiger Ökosysteme im Lichte erkennbarer biophysischer Grenzen im Vordergrund.“
Rohstoff-, Energie-, und Verkehrswende sind Begriffe für den Versuch, die mit dem Klimaschutzabkommen von Paris anerkannten „planetaren Grenzen“ nicht zu verletzen. Sie stehen auch für das Eingeständnis und das globale Einverständnis, dass es in einer begrenzten Welt kein unbegrenztes und unbedachtes wirtschaftliches Wachstum mehr geben kann. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Weltbevölkerung voraussichtlich weiterhin zunehmen und der Bedarf nach Deckung der damit verbundenen Ansprüche auch weiterhin wachsen wird.
Der Vortrag wird der Frage nachgehen, inwieweit angesichts dieser zukünftigen Konstellationen das bisherige Leitbild von Wirtschaft und Wirtschaftswachstum noch tragfähig ist und welche grundlegenden Veränderungen in der Sicht auf das zukünftige Wirtschaften erforderlich sein werden.
 
Der Dozent Helmut Federmann ist diplomierter Volkswirt. Hauptberuflich war er in nationalen und internationalen Projekten im Bereich IT/Finance tätig sowie im Auswärtigen Amt. Er befasst sich als Nachhaltigkeits-Ökonom mit Fragestellungen zu Wachstum-, Energie- und Verkehrswende sowie zur Kreislaufwirtschaft. Der in  Gesellschaft und Politik dominierend gewordene neoliberale, vorwiegend am individualistischen Nutzen orientierte, Denkansatz hat zwar zu enormem Wirtschaftswachstum geführt, gleichzeitig aber auch komplexe öko-soziale Problemstellungen heraufbeschworen. Gemäß der Feststellung: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, arbeitet der Referent an alternativen Denk-und Lösungsansätzen zu den genannten Problemstellungen.